ERP-Karriere zwischen Industrie, Lehre und SAP-Community
- 23.04.2026
- News Studiengang
Michael Bucher hat in seiner Karriere ein vielfältiges Netzwerk aufgebaut und verbindet Industrie, Lehre und SAP-Community.
Michael Bucher, Alumnus der FH Kufstein Tirol, gestaltet bei Swarovski Crystal Business die digitale Landschaft für Vertrieb, Marketing & Business Plattformen, unterrichtet Cloud Computing und leitet die ESUG-Fashion. Im Interview gab er exklusive Einblicke in seine Arbeit und Motivation.
Als Alumnus des berufsbegleitenden Masterstudiengangs ERP-Systeme & Geschäftsprozessmanagement der FH Kufstein Tirol arbeitet Michael Bucher als Architect for Commercial and Brand bei Swarovski und gestaltet die globale digitale Landschaft für Vertrieb, Marketing und Business Plattformen. Neben seiner Arbeit unterrichtet er die Lehrveranstaltung Business Plattformen & Cloud Computing an der Kufsteiner Hochschule und engagiert sich ehrenamtlich in der European SAP User Group Fashion (ESUG-Fashion).
Im Austausch mit Studierenden und deren Projektarbeiten ergeben sich auch für ihn selbst immer wieder neue Sichtweisen, die seine eigene berufliche Praxis bereichern. Im Interview gibt er spannende Einblicke in seinen Karriereweg, seine Lehre sowie seine ehrenamtliche Arbeit in der SAP-Community.
Ihr heutiges Tätigkeitsfeld reicht von Industrie über Lehre bis hin zum Ehrenamt. Wo hat eigentlich Ihr beruflicher Weg begonnen?
Michael Bucher: Ich habe 2004 bei Swarovski Crystal Business als SAP-ABAP-Anwendungsentwickler begonnen. Der Einstieg erfolgte direkt im Rahmen des globalen SAP-ERP-Rollouts, den ich als Entwickler mitbegleiten durfte. Parallel dazu arbeitete ich an ersten Lösungen im SAP CRM, insbesondere im Bereich Kundenbindung. Durch diese frühen Erfahrungen in internationalen Projekten habe ich rasch Einblick in sehr unterschiedliche fachliche und technische Anforderungen erhalten und konnte mich kontinuierlich weiterentwickeln. Dieses Umfeld hat meinen weiteren beruflichen Weg stark geprägt und ist bis heute von hoher Dynamik und Vielfalt gekennzeichnet.
Wie fließen Ihre Erfahrungen in die Inhalte Ihrer Lehrveranstaltung Business Plattformen & Cloud Computing ein und welche Themen sorgen dabei regelmäßig für Diskussionen?
Bucher: Ich versuche, meine Lehrveranstaltung sehr praxisnah zu gestalten. Wo immer es möglich ist, bringe ich meine Erfahrungen aus der Auswahl, dem Einsatz und der Weiterentwicklung von Softwarelösungen und Business-Plattformen direkt in die Lehre ein. Dabei wird schnell deutlich, dass es selten nur einen richtigen Weg oder eine einzige Lösung gibt – vielmehr kommt es auf den jeweiligen Kontext an. Genau dieses Verständnis möchte ich den Studierenden vermitteln: wie man in komplexen und dynamischen Umfeldern dennoch fundierte und nachhaltige Entscheidungen trifft. Ergänzend dazu gebe ich einen Überblick über den Markt sowie über aktuelle Entwicklungen in diesem sehr schnelllebigen Umfeld. In der Diskussion mit Studierenden entstehen dabei regelmäßig spannende Gespräche, insbesondere rund um das Zusammenspiel von Cloud-, On-Premise- und Edge-Computing. In der Praxis sind Cloud-Lösungen selten isoliert zu betrachten, sondern Teil hybrider Architekturen, in denen sich unterschiedliche Technologien sinnvoll ergänzen. Ein weiteres zentrales Thema sind Kosten und Wirtschaftlichkeit. Der Weg in die Cloud ist stets eine strategische Entscheidung, die gut durchdacht sein muss und mit entsprechenden Investitionen verbunden ist. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten in Bezug auf Skalierung und Kostenoptimierung. Sehr viel Diskussionspotenzial bietet auch die große Vielfalt an Cloud-Anbietern und Services. Hier geht es häufig darum, wie man aus einer Vielzahl an Möglichkeiten strukturiert jene Lösungen auswählt, die wirklich zum jeweiligen Anwendungsfall passen.
Neben Ihrer Lehrtätigkeit engagieren Sie sich in der European SAP User Group Fashion (ESUG-Fashion). Was muss man darunter verstehen?
Bucher: Die ESUG-Fashion besteht seit vielen Jahren und verbindet Unternehmen aus den Bereichen Retail und Fashion mit dem Fokus auf SAP-Lösungen in diesem Kontext. Die Initiative wird von SAP begleitet, die inhaltliche Gestaltung liegt jedoch bei den teilnehmenden Unternehmen, die ihre Themen und Schwerpunkte aktiv einbringen in Abstimmung mit SAP. Ich selbst bin seit 2019 Teil der User Group und habe dort sehr viel über unterschiedliche Lösungen und deren Einsatz in der Praxis gelernt. Nachdem sich die bisherigen Vorsitzenden beruflich neu orientiert haben, sind Tim Schmid von Hugo Boss und ich angesprochen worden, ob wir diese ehrenamtliche Rolle übernehmen möchten. Da wir beide den Austausch in dieser Gruppe sehr schätzen, haben wir diese Aufgabe gemeinsam übernommen. Der Austausch findet drei- bis viermal jährlich in virtuellen Sessions von rund 45 Minuten statt. Einmal im Jahr gibt es zudem eine zweitägige Präsenzveranstaltung, die abwechselnd bei SAP oder einem der teilnehmenden Unternehmen stattfindet. Letztes Jahr traf sich die Gruppe bei Hugo Boss in Metzingen, dieses Jahr ist Zalando in Berlin Gastgeber.
Wie gestaltet sich der Austausch auf europäischer Ebene und welche Themen stehen aktuell im Fokus?
Bucher: Der Austausch findet in einem kompakten Stand-up-Format statt, in dem die teilnehmenden Unternehmen ihre aktuellen Fragestellungen und Erfahrungen teilen. Ergänzend dazu informiert SAP über neue Entwicklungen, Releases und Funktionen, sodass sowohl die Anwender- als auch die Herstellerperspektive zusammenkommen. Die ESUG-Fashion ist dabei stark praxisorientiert. Ziel ist es, möglichst konkret über Herausforderungen und Lösungsansätze zu sprechen – etwa durch das Teilen von Projekterfahrungen, den Austausch von Best Practices sowie den direkten Dialog mit SAP. Für SAP selbst ist dieser Austausch besonders wertvoll, da sie hier unmittelbar Feedback ihrer Kunden zu Verbesserungen und neuen Ideen erhalten.
Inhaltlich stehen aktuell viele zentrale Themen im Fokus, darunter SAP RISE, Migrationen und Upgrades auf S/4HANA, Entwicklungen im Bereich S/4 Retail und Fashion, SAP CAR, neue SAP-Cloud-Lösungen sowie Künstliche Intelligenz. Diese Themen bilden eine gemeinsame Schnittmenge der Teilnehmer und sorgen für einen sehr intensiven und fruchtbaren Austausch – auch im direkten Dialog mit SAP. Der regelmäßige Austausch ist dabei besonders wichtig, da sich alle Beteiligten in einem sehr dynamischen und teilweise volatilen Umfeld bewegen. Die Diskussionen eröffnen neue Perspektiven, konkrete Lösungsansätze und helfen dabei, Entwicklungen besser einzuordnen.
Wenn Sie auf die aktuellen Entwicklungen im SAP-Umfeld blicken: Welche Themen werden die Fashion- und Retailbranche in den kommenden Jahren besonders beschäftigen?
Bucher: Die Reise in Richtung S/4HANA, der zunehmende Einsatz von SAP RISE sowie die Weiterentwicklung neuer Cloud-Lösungen von SAP werden die Branche in den kommenden Jahren maßgeblich prägen. Hinzu kommt der verstärkte Einsatz von (eingebetteter) Künstlicher Intelligenz, der neue Möglichkeiten eröffnet, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Gerade die Fashion-, Retail- und Luxusbranche ist dabei besonders spannend, da sie in den vergangenen Jahrzehnten bereits zahlreiche Transformationsphasen durchlaufen hat. Dieser kontinuierliche Wandel wird sich weiter fortsetzen – allerdings in einer noch höheren Dynamik und mit zusätzlichen technologischen Impulsen. Damit entstehen sowohl große Chancen als auch neue Risiken, die es aktiv zu gestalten gilt. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich daraus viele neue Wege und Möglichkeiten ergeben werden, die gemeinsam beschritten werden können.
Umso mehr freut es mich, diesen Wandel sowohl bei Swarovski Crystal Business als auch in meiner Lehrtätigkeit an der FH Kufstein Tirol und im Rahmen der ESUG-Fashion aktiv mitzugestalten. Oder, wie Bob Dylan es treffend formuliert hat: “The Times They Are A-Changin’.”
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