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Erstauftritt: FH Kufstein Tirol bei der Jahrestagung AIEST

  • 17.10.2025
  • Forschung
Helena Gey steht vor einer Leinwand und hält einen Vortrag zum Thema Overtourism in Bergregionen. Auf der Präsentationsfolie ist ein verschneites Bergpanorama und der Titel der Studie zu sehen. Im Vordergrund sitzt das Publikum.
© Barbara Bieger

Helena Gey präsentiert auf der AIEST Konferenz in Paris zum Thema Overtourism in Bergregionen.

Bei der 74. AIEST Jahrestagung in Paris im August 2025 war die FH Kufstein Tirol erstmalig in der internationalen Runde von Tourismusexpert:innen vertreten. Intensiver Austausch auf hohem wissenschaftlichem Niveau brachte neue Impulse und setzte die Hochschule auf die Liste führender Institutionen der Branche.

Im August 2025 fand in Paris, Frankreich die 74. AIEST (International Association of Scientific Experts in Tourism) Konferenz statt. Rund 65 Tourismus-Expert:innen aus aller Welt kamen vom 24.-27. August 2025 im Novotel Paris-Bercy zusammen, um neueste Forschungsergebnisse auszutauschen und Ideen in der Tourismusforschung voranzutreiben. Helena Gey, MSc repräsentierte die FH Kufstein Tirol mit einem Beitrag zu Overtourism in Bergregionen und reihte sich damit in die Folge von Präsentationen zum Thema Nachhaltigkeit und Resilienz im Tourismus ein. Weitere Sessions griffen unter anderem das diesjährige Leitthema Human-Machine-Relations sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) im Tourismus auf.

Paris empfängt Freunde aus aller Welt

AIEST-Präsidentin Kirstin Hallmann eröffnete die diesjährige Konferenz offiziell am 25. August. Außerdem richteten Patrick Vicérat und Claude Origet Du Cluzeau, Präsident und Vizepräsidentin der AFEST (Association Française d’Experts de Tourisme), sowie Hamida Rezeg, Vizepräsidentin für Tourismus in der Region Paris Île de France, Begrüßungsworte an die Konferenzteilnehmer:innen.

Als ersten Höhepunkt der Konferenz berichtete Laurent Queige, Tourismusdirektor bei Reworld Media, von den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Mit vollem Stolz zog er eine durchaus positive erste Bilanz der Sportgroßveranstaltung.

Sieben Mitglieder des AIEST-Vorstands stehen nebeneinander und lächeln in die Kamera. Im Hintergrund befinden sich zwei Roll-Ups mit dem AIEST-Logo.
© Barbara Bieger

Der aktuelle Vorstand der AIEST, v.l.n.r.: Prof. Dr. Christian Laesser, Dr. Petr Stumpf, Dr. Judit Sulyok, Dr. Kirstin Hallmann, Prof. Dr. Sara Dolnicar, Prof. Dr. Petr Janeček, Prof. Stanislav Ivanov

Zahlreiche Blickwinkel auf den Tourismus…

Im Anschluss verteilten sich die Zuhörer:innen auf zwei parallele Sessions, um in die wissenschaftlichen Perspektiven auf den Tourismus einzutauchen. Über die folgenden drei Tage entwickelten sich inhaltliche Schwerpunkte rund um die Themen Nachhaltigkeit im Gastgewerbe, Transformation im Tourismus, Auswirkungen des Tourismus auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie Einsatz von künstlicher Intelligenz und Robotik im Tourismus. Unter anderem wurde diskutiert, mit welchen Ansätzen das Gästeverhalten an Buffets beeinflusst werden kann, um Nahrungsmittelverschwendung entgegenzuwirken; die Einführung von Robotern in die Servicelandschaft des Tourismus in gemischten Mensch-MaschineTeams anzubahnen; welche Möglichkeiten insbesondere Bergregionen haben, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen oder wie Familienunternehmen im Tourismus zu eigenen Gunsten mit traditionellen Geschlechterrollen brechen können. Der Vortrag von Helena Gey löste eine Diskussion um die Definition von Overtourism und potentielle Regulationsmechanismen sowie die generellen Nutzungsrechte von öffentlichem Raum aus.

…und die Wissenschaft

Als Keynote sprach die renommierte Tourismuswissenschaftlerin Sara Dolnicar von der University of Queensland über die aktuelle Publikationskultur und die damit verwobenen Herausforderungen insbesondere von Nachwuchswissenschaftler:innen. Die Kunst sei es, sich trotz hohen Publikationsdrucks und Überangebots wissenschaftlicher Zeitschriften einen gewissen Idealismus in der Forschung zu bewahren und Klasse nicht zugunsten von Masse aufzugeben. Sie sieht die erfahrenen und etablierten Wissenschaftler:innen in der Pflicht, den wissenschaftlichen Nachwuchs an die Hand zu nehmen und zu begleiten.

Generalversammlung

Im Rahmen der Tagung wird jährlich auch die Generalversammlung der AIEST abgehalten. Neben Veränderungen im Verwaltungsaufbau der Organisation wurde St. Gallen als Austragungsort für die AIEST Jahrestagung 2026 verkündet. Hiermit wird die Konferenz an ihren Gründungsstandort zurückkehren und langjährig im Vorstand engagierte Personen ihr Ausscheiden aus ihren bisherigen Positionen mit der Veranstaltung der Jahrestagung 2026 beschließen. Im Rahmen der Generalversammlung wurden außerdem die neuen Mitglieder der AIEST willkommen geheißen. Dazu gehörte auch Helena Gey, die nun als Junior Member geführt wird.

Eine große Gruppe von Konferenzteilnehmenden sitzt fröhlich an einem langen Tisch in einem Straßencafé, hebt die Gläser und genießt einen gemeinsamen Apéritif zum Abschluss der AIEST-Jahrestagung 2025.
© Barbara Bieger

Teilnehmende beim Aperitiv zum Abschluss-Dinner.

Freundschaftliche Atmosphäre

In den Kaffeepausen herrschte stets reges Treiben in den Veranstaltungsräumlichkeiten und die Wiedersehensfreunde zwischen langjährigen Kolleg:innen und Freund:innen lag in der Luft. Bei zahlreichen Persönlichkeiten aus der Tourismusforschung hat sich die Jahrestagung einen festen Platz im Jahreskalender gesichert. Für Promotionsstudent:innen ist sie die ideale Plattform zur internationalen Vernetzung, erleichtert durch die offene und persönliche Atmosphäre dieser Konferenz. Der überschaubare Rahmen, gemeinsame Mahlzeiten sowie Programm außerhalb der Seminarräume boten reichlich Gelegenheit, tiefergehende Fragen zu Präsentationen zu beantworten und fachliche Diskussionen zu drängenden Themen im Tourismus zu führen. Auch für persönlichen Austausch ist ausreichend Zeit. „Wir sind eine große Familie“, betonte Bieger, Leitung des AIEST-Sekretariats, gegenüber den Neulingen auf der Konferenz beim ersten gemeinsamen Abendessen.

Durch Kritik zur Bestleistung

Dennoch, wie Christian Laesser, Generalsekretär der AIEST, wiederholt hervorhob: „We don’t get better if we only pat each other on the back.“ Die AIEST-Konferenz ist bekannt für die intensive Diskussion der wissenschaftlichen Beiträge im Nachgang zur Präsentation. Hierfür steht ein Zeitrahmen von 15-20 Minuten zur Verfügung – ein Vielfaches im Vergleich zu anderen Konferenzen. Stehen insbesondere die jungen Wissenschaftler:innen diesem kritischen Feedback offen gegenüber, gelingt es, die eigene Forschung früh zu Exzellenz zu treiben. In diesem Jahr gewann Alexandra Pozzan von der IMCA, Università della Svizzera Italiana, zum wiederholten Male den Preis für den besten Beitrag einer/eines Promotionsstudierenden und zusätzlich den Preis für den besten Beitrag insgesamt, was bei dem durchweg sehr hohen Niveau einer großen Ehre gleichkommt. In diesem Jahr wurde außerdem erstmalig der Critical Friend Award verliehen; ins Leben gerufen, um den bzw. die konstruktivste:n Kritiker:in zu ehren und damit die kritische Kultur der AIEST hervorzuheben. Stefan Bingemer freute sich über diesen Preis, den er sich mit seinen zahlreichen Ideen und Fragen über alle Sessions hinweg verdiente. Ein weiterer Preis, der Peter-Keller-Award, wurde an den besten praxisrelevanten Beitrag verliehen. Hier konnte sich Ulrike Pröbstl-Haider gemeinsam mit Alice Wanner mit ihrer anwendungsorientierten Forschung zur Transformation des Tourismus am Ötscher durchsetzen. 

Eine Gruppe von TeilnehmerInnen der AIEST-Jahrestagung posiert bei sonnigem Wetter für ein Foto vor der Kathedrale Notre-Dame in Paris.
© Barbara Bieger

Sightseeing-Stop an der firsch renovierten Kathedrale Notre Dame. 

Abschluss auf der Seine

Nachdem im Verlauf der Konferenz bereits zwei gemeinsame Abendessen an ausgewählten Orten, dem Le Frog im historischen Weinviertel in Paris-Bercy sowie der LAHO Rooftop-Bar mit Blick über Paris, stattfanden, wurde allen Teilnehmer:innen am letzten Tag der Konferenz ein ausgewähltes Sightseeing-Programm geboten. Neben dem Must-See in Paris – dem frisch renovierten Notre Dame – bekamen die Wissenschaftler:innen einen Einblick in ausgewählte Häuser des internationalen Studentenwohnheims der Université de Paris. Das Abschlussdinner fand auf einem Kahn auf der Seine mit Blick auf Notre Dame statt. Hier wurden die Preisträger:innen der diesjährigen Konferenz geehrt und alle Teilnehmer:innen nach einer durchweg gelungenen Veranstaltung bis zum nächsten Jahr in St. Gallen in der Schweiz verabschiedet.