Im Austausch mit EU-Kommissarin und Nobelpreisträger
- 06.11.2024
- Forschung
EU-Kommissarin für Kohäsion und Reformen Dr. Elisa Ferreira präsentiert Daten zu Entwicklung BIP pro Kopf in Regionen Europas.
Im Rahmen des Jahreskongresses der European Regional Science Association (ERSA) auf der Azoreninsel Terceira diskutierten Prof. (FH) Dr. Miroslav Despotovic und Prof. (FH) PD Dr. Christoph Hauser mit hochrangigen Expert:innen aus Wissenschaft und Politik über die Herausforderungen und Lösungen im Bereich der regionalen Wirtschaftsentwicklung.
Warum wachsen einige Regionen während andere im selben Land stagnieren? Wie können strukturschwache Regionen gefördert und regionale Konvergenz erzielt werden? Dies sind typische Fragestellungen, die auf dem jährlichen Kongress der European Regional Science Association von Forscher:innen und Politiker:innen erörtert werden. Diese Konferenz wurde Ende August 2024 auf der Azoreninsel Terceira unter Beteiligung der FH Kufstein Tirol durchgeführt. Prof. (FH) Dr. Miroslav Despotovic und Prof. (FH) Dr. Christoph Hauser präsentierten eigene Forschungsarbeiten und trafen auf hochrangige Prominenz aus Politik und Wissenschaft.
Erfolge und Rückschläge der EU Regionalpolitik
In einer Keynote Lecture berichtete die aktuelle Kommissarin für regionale Kohäsion und Reformen, Elisa Ferreira, sowohl über Erfolge als auch Rückschläge der Regionalpolitik in Europa. Die Zielsetzung der Kommission besteht in einer Angleichung von Lebensbedingungen und Einkommenssituationen über alle Regionen des Uniongebiets. Dies konnte über einen langen Zeitraum bis zur Finanzkrise im Jahr 2008 auf Basis der Investitionen aus dem Kohäsionsfonds erzielt werden. Seit damals kann eine Angleichung auf nationaler Ebene beobachtet werden: ärmere Nationen wie Rumänien und Bulgarien wachsen schneller als reichere Staaten wie Deutschland oder Österreich. Allerdings werden die regionalen Unterschiede innerhalb der Staaten nicht kleiner, sondern stagnieren. Dies stellt eine große Herausforderung für die nächste Amtsperiode der EU Kommission dar.
Regionale Unterschiede in den USA
Über die Rückkehr der regionalen Divergenz bzw. Steigerung von regionalen Unterschieden in den USA handelte auch der Vortrag von Paul Krugman. In seinen bahnbrechenden Arbeiten über internationalen Handel und regionales Wirtschaftswachstum zeigte Prof. Krugman wichtige Triebkräfte für Außenwirtschaft und Regionalökonomik auf und erhielt für seine Forschungsarbeiten im Jahr 2008 den Nobelpreis in Volkswirtschaftslehre. In seiner aktuellen Forschung geht er besonders auf die soziale Situation in benachteiligten Gebieten ein: In ärmeren Regionen, wie beispielsweise den Appalachen, sind insbesondere junge Männer über lange Zeit arbeitslos und bleiben somit ohne Perspektive. Dies führt zu einer Spaltung der Gesellschaft und zur Unterstützung von extremen politischen Sichtweisen.
Kufsteiner Forschung zu KI, Kreislaufwirtschaft und Vertrauen
In drei Vorträgen präsentierten die beiden Vertreter der FH Kufstein Tirol eigene Forschungsarbeiten mit Bezug zu wirtschaftlicher Aktivität auf regionaler Ebene. Prof. (FH) Dr. Miroslav Despotovic analysierte dabei die Möglichkeiten und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz für die Bildung einer Kreislaufwirtschaft in einer Region. Prof. (FH) Dr. Christoph Hauser untersuchte die Verteilung von sozialem Vertrauen in europäischen Regionen und ermittelte mögliche Ursachen, wie kulturelle Normen und institutionelle Rahmenbedingungen. In einer gemeinsamen von der Tiroler Wissenschaftsförderung (TWF) geförderten Forschungsarbeit analysierten die beiden Forscher das Potential von Naturfotografien auf der sozialen Plattform Flickr für die Messung der Ästhetik von Landschaften.
Als Fazit lässt sich anmerken: Neben der Aktualität mit Bezug zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung, zeigte sich durch die Vorträge auch die hohe Qualität der Forschung an der FH Kufstein Tirol in einem exotischen Umfeld wie den Azoren.