Antrittsvorlesungen bringen Robotik und KI-Recht zusammen
- 15.10.2026
- Allgemein
Prof. (FH) Dr. habil. Ngoc Thinh Nguyen, Rektor Prof. (FH) PD Dr. Mario Döller, und Hon.-Prof. (FH) Mag. Simon Pöschl bei der feierlichen Überreichung der Urkunden (v.l.n.r.).
Wie lassen sich autonome Systeme intelligenter, sicherer und effizienter gestalten? Prof. (FH) Dr. habil. Ngoc Thinh Nguyen zeigte in seiner Antrittsvorlesung, welche Rolle mathematische Optimierung dabei spielt. Hon.-Prof. (FH) Mag. Simon Pöschl widmete sich dem Urheberrecht kurzer Sprachwerke – auch im Zeitalter generativer KI.
Am 7. Oktober 2026 standen an der HOK | Hochschule Kufstein Tirol zwei unterschiedliche Fachgebiete im Mittelpunkt: In ihren Antrittsvorlesungen beleuchteten Prof. (FH) Dr. habil. Ngoc Thinh Nguyen und Hon.-Prof. (FH) Mag. Simon Pöschl aktuelle Fragestellungen aus Robotik und autonomer Steuerung sowie aus dem Urheberrecht. Während Nguyen zeigte, wie mathematische Optimierung die Entwicklung und Steuerung autonomer Systeme unterstützt, beschäftigte sich Pöschl mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen kurze Texte urheberrechtlich geschützt sind.
Von der mathematischen Theorie zur sicheren Bewegung
Wie findet ein Roboter den besten Weg durch eine dynamische Umgebung? Wie lässt sich der Energieverbrauch senken, ohne die Sicherheit zu gefährden? Mit solchen Fragen befasst sich Ngoc Thinh Nguyen in seiner Forschung. Seine Antrittsvorlesung „Optimization in Robotics & Autonomous Systems: From Theory to Practice“ gab Einblicke in die Bedeutung von Optimierungsmethoden entlang des gesamten Entwicklungsprozesses – vom Robotikdesign über die Bewegungsplanung bis hin zur Regelung.
Prof. (FH) Dr. habil. Ngoc Thinh Nguyen bei seiner Antrittsvorlesung über Optimierungsmethoden in Robotik und autonomen Systemen.
„Was wie eine flüssige Bewegung oder intelligentes Verhalten aussieht, ist tatsächlich das Ergebnis sorgfältig entwickelter Kostenfunktionen, Nebenbedingungen und Algorithmen“, erklärt Nguyen. Optimierung beschreibt dabei nicht nur die Suche nach einer möglichst schnellen oder energiesparenden Lösung. Gerade bei autonomen Systemen müssen auch Sicherheitsanforderungen, Stabilität und Zuverlässigkeit berücksichtigt werden.
Anhand unterschiedlicher Anwendungsfelder verdeutlichte Nguyen, wie sich diese Methoden in die Praxis übertragen lassen. Dazu zählen robotische Ultraschallsysteme, autonome Fahrzeuge und Flugdrohnen. Eine besondere Herausforderung besteht darin, geeignete Lösungen rechtzeitig zu berechnen: Ein autonomes System muss beispielsweise auf Hindernisse reagieren oder seine geplante Bewegung an veränderte Bedingungen anpassen können – mitunter innerhalb weniger Millisekunden.
Forschung, die in der Praxis ankommt
Nguyen beschäftigt sich seit seiner Promotion mit Optimierung und Regelung, zunächst insbesondere mit der Bewegungsplanung und Steuerung von Multikoptern unter schwierigen Bedingungen wie Windböen oder Motorausfällen. Nach seiner Promotion in Automatisierung und Produktion an der Grenoble INP im Jahr 2019 forschte er ab 2020 am Institut für Robotik und Kognitive Systeme der Universität zu Lübeck. Dort arbeitete er unter anderem an Projekten zu KI-gestützter Robotik, autonomen Fahrzeugen und medizinischer Robotik. 2025 schloss er seine Habilitation in Robotik und Automatisierung ab.
An der HOK möchte Nguyen aktuelle Forschung stärker in die Lehre integrieren und eine international ausgerichtete, praxisnahe Ingenieurkultur fördern. Studierende sollen nicht nur verstehen, wie technische Systeme funktionieren, sondern auch nachvollziehen können, warum bestimmte Entwurfs- und Algorithmusentscheidungen in der Praxis entscheidend sind. Darüber hinaus möchte er internationale Kooperationen und gemeinsame Forschungsprojekte vorantreiben und Studierenden ermöglichen, an konkreten Forschungsfragen mitzuarbeiten.
Wann sind kurze Texte urheberrechtlich geschützt?
Einen anderen Schwerpunkt setzte Hon.-Prof. (FH) Mag. Simon Pöschl mit seiner Antrittsvorlesung „Im Anfang war das Wort – zur Schutzfähigkeit kurzer Sprachwerke“. Im Zentrum stand die Frage, unter welchen Voraussetzungen kurze sprachliche Äußerungen urheberrechtlichen Schutz genießen können. Aphorismen und prägnante Formulierungen werfen dabei ebenso Fragen auf wie Zitate in Social-Media-Beiträgen, die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurden.
Hon.-Prof. (FH) Mag. Simon Pöschl referierte in seiner Antrittsvorlesung über die Schutzfähigkeit kurzer Sprachwerke und KI im Urheberrecht.
Pöschl beleuchtete die Thematik anhand der Rechtsprechung österreichischer und deutscher Gerichte sowie europäischer Gerichte. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der jüngeren Judikatur zur urheberrechtlichen Haftung für sprachliche Erzeugnisse großer Sprachmodelle (Large Language Models). Damit rückte er ein Thema in den Mittelpunkt, das angesichts der zunehmenden Nutzung generativer KI auch für den digitalen Kommunikationsalltag relevant ist.
Die beiden Antrittsvorlesungen machten deutlich, wie unterschiedlich aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen sein können: von der mathematischen Grundlage sicherer autonomer Systeme bis zu den rechtlichen Grenzen sprachlicher Kreativität. Beide Vorträge zeigten zugleich, wie eng wissenschaftliche Entwicklungen mit konkreten Herausforderungen aus Technik und Gesellschaft verbunden sind.
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