Von Tirol nach Italien: Projekt bringt Gen Z ins Museum
- 17.09.2026
- Forschung
Die Schüler:innen beim Workshop in der Räucherküche des Ötztaler Heimatmuseums, gemeinsam mit Kulturvermittlerin Laura Kogler (1. von rechts).
Wie lassen sich junge Menschen für Museen begeistern? Eine grenzüberschreitende Museumsreise im Interreg-Projekt EMY brachte italienische Schüler:innen und österreichische Studierende in Museen in Tirol, Venetien und Friaul-Julisch Venetien.
Anfang September standen bei einer Museumsreise im Rahmen des von den Gemeinden Maniago und Montebelluna, der Università Ca‘ Foscari sowie der HOK | Hochschule Kufstein Tirol durchgeführten Interreg Italia – Österreich Projekts „EMY“ kulturelles Erbe, Kreativität und internationaler Austausch im Mittelpunkt. Über eine Woche hinweg entdeckten italienische Schüler:innen und die Studierenden Malina Cebulla und Lia Gladilin des Masterstudiengangs Sports, Culture & Event Management die Vielfalt von Museen in Tirol, Venetien und Friaul-Julisch Venetien. Die Reise schlug Brücken zwischen Museen und Vermittlungsansätzen in Österreich und Italien. Im November greift ein Workshop für Museen und Tourismuseinrichtungen diese Erfahrungen auf.
Kulturelles Erbe in Tirol und Norditalien entdecken
Durch Museumsbesuche, kreative Workshops und praxisorientierte Aktivitäten lernten die Teilnehmenden vielfältige Ansätze kennen, die historische, archäologische, naturkundliche und regionale Themen mit aktuellen Fragestellungen ihrer Lebensrealitäten wie Nachhaltigkeit, Tourismus, Landschaftswandel und Identität verknüpfen.
In Tirol setzten sich die Jugendlichen im Ötztaler Heimatmuseum mit früheren Lebensformen wie der Verarbeitung von Leinen und der Herstellung einfacher Speisen auseinander, wie dem Traditionsgericht „Muas“. Die aktuelle Sonderausstellung „Aufgespürt“ im Tiroler Volkskunstmuseum ermöglichte Erkundungen in die manchmal geheimnisvolle, manchmal auf Unrechtsregimes rückführbare Herkunftsgeschichten nationaler und internationaler Museumsobjekte. Besonders großen Anklang fand der künstlerische Workshop gemeinsam mit der Ötztaler Künstlerin Hannah Philomena Scheiber am Piburger See, bei dem die Jugendlichen ihre Eindrücke kreativ verarbeiten und eigene Perspektiven entwickelten.
Diese Aktivitäten zeigen, dass Museumsarbeit nicht an den Mauern der Museen endet, sondern auch außerhalb fortgeführt werden kann. Diese Offenheit schafft Raum für Begegnung und kreative Entfaltung.
Verena Teissl
Projektleitung EMY, HOK
In den italienischen Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien setzten sich die Teilnehmenden insbesondere mit Fragen der Erinnerungskultur auseinander. Im Fokus standen die Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg im „Memoriale Veneto Grande Guerra“ (MeVe) in Montebelluna sowie die Reflexion über die Geschichte und die Folgen der Vajont-Staudamm-Katastrophe. Ergänzt durch interaktive Vermittlungsformate, kreative Workshops und Diskussionen wurden Aktualitätsbezüge zu den historischen Ereignissen hergestellt.
Jugendliche als kulturelle Gestalter
Ein zentraler Bestandteil der Lernerfahrung war der Einsatz von Medien und die Erstellung eigener Inhalte. Die Teilnehmenden arbeiteten in verschiedenen Redaktionsgruppen und dokumentierten ihre Erfahrungen mittels Videos, Fotografie und sozialer Medien. „Dieser Ansatz ermöglicht es den Jugendlichen, ihre Eindrücke eigenständig zu reflektieren und die Aspekte hervorzuheben, die sie persönlich als relevant empfunden haben“, so Emily Kirchlechner, Projektmanagerin EMY, HOK.
Die grenzüberschreitende Lernerfahrung trug zudem zu den übergeordneten Zielen von EMY bei: Das Projekt identifiziert junge Menschen als wichtige Zielgruppe für Museen und legt den Schwerpunkt auf Ansätze, die sie in die Gestaltung, Vermittlung, Kommunikation und das Storytelling einbeziehen. Insgesamt zeigte das Projekt, wie grenzüberschreitender Austausch Raum für junge Menschen schaffen kann, um das kulturelle Erbe zu erkunden, eigene Perspektiven zu entwickeln und auf neue Weise mit Museen in Kontakt zu treten.
Die Schüler:innen gemeinsam mit der Künstlerin Hannah Philomena Scheiber (1. von links) und den Projektverantwortlichen der HOK.
Factbox
Im Interreg Italia – Österreich Projekt „EMY – Entwicklung der Museen, um Jugendliche anzusprechen und die Kulturlandschaft zu bereichern“ (ITAT-46-013) arbeiten Partnerinnen und Partner aus Venetien, Friaul-Julisch Venetien und Tirol zusammen. Sie bündeln kulturelle Potenziale im Grenzraum, entwickeln Museen zu attraktiven Erlebnisorten für die Generation Z weiter und erarbeiten zukunftsfähige Strategien für den Kulturtourismus. Beteiligt sind die HOK | Hochschule Kufstein Tirol, die Gemeinden Maniago und Montebelluna sowie das Forschungszentrum aiku der Fondazione Università Ca’ Foscari, Venedig. Das zweijährige Projekt läuft noch bis Mai 2027.
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